Mentalcoaching Sabine Schröder

Wünsche Teil I - was sie bedeuten und wie du klug mit ihnen umgehst

Vom guten Wunsch bis zur versteckten Manipulation: Eine psychologische Betrachtung

Wünsche begleiten uns vom ersten Atemzug an. Als Kinder wünschen wir uns Spielzeug, als Erwachsene Erfolg, Liebe, Klarheit, Ruhe oder Veränderung. Einige Wünsche tragen wir bewusst in uns, andere wirken aus verborgenen Schichten unserer Psyche. Manche stärken uns, manche verwirren uns – und manche kommen gar nicht von uns selbst, sondern von Menschen, die Einfluss auf uns nehmen.

Dieser Artikel lädt dich dazu ein, die innere Landkarte deiner Wünsche besser zu verstehen. Denn ein Wunsch ist viel mehr als ein kurzer Gedanke: Er ist ein innerer Wegweiser, der dir zeigt, wohin sich etwas in dir entwickeln möchte.

1. Der Wunsch an sich: neutral, rein und voller Potenzial

Ein Wunsch ist zunächst weder gut noch schlecht. Er ist eine innere Bewegung – ein Impuls, der dich in eine Richtung zieht.

Psychologisch betrachtet ist ein Wunsch:

  • ein Hinweis auf ein Bedürfnis
  • ein Spiegel deiner Werte
  • ein Ausdruck deiner inneren Ausrichtung
  • ein Zeichen dafür, wohin deine Energie fließen möchte

Erst deine Absicht, die dahinterliegende Emotion und der Adressat machen ihn zu einem konstruktiven, unrealistischen oder sogar manipulativen Wunsch.

💭 Reflektionsfrage: „Wenn ich diesen Wunsch erfülle – was verändert sich in mir? Und für wen tue ich es wirklich?“

2. Bewusste und unbewusste Wünsche - und warum die unbewussten so mächtig sind

Freud unterschied zwei Arten von Wünschen:

  • bewusste Wünsche | klar benennbar und erklärbar
  • unbewusste Wünsche | sie steuern uns ohne unser Wissen

Unbewusste Wünsche beeinflussen:

  • Partnerwahl
  • berufliche Entscheidungen
  • Grenzen und Bindungen
  • Selbstwert, Mut und Rückzugsmuster

Oft entsteht ein innerer Konflikt: Der bewusste Wunsch zieht vorwärts, die unbewusste Angst bremst. Das führt zu Selbstsabotage, Aufschieben oder der Suche nach falschen Zielen.

3. Gute Wünsche – oder doch nicht?

3.1 Allgemeine Glückwünsche

Geburtstage, Hochzeiten, Prüfungen oder Krankheitsphasen sind klassische Situationen, in denen wir Wünsche aussprechen. Diese Wünsche wirken verbindend, wenn sie frei von Erwartungen sind. Sie drücken Anteilnahme aus, ohne den anderen festlegen zu wollen, und schaffen emotionale Nähe, ohne Verantwortung zu verschieben.

3.2 Vermeintlich gute Wünsche

Schwieriger wird es bei Wünschen, die auf den ersten Blick wohlwollend klingen, innerlich jedoch eine Bewertung oder Forderung enthalten. Aussagen wie „Ich wünsche dir, dass du endlich zur Ruhe kommst“ können beim Gegenüber unbewusst als Kritik ankommen, etwa als Hinweis darauf, zu laut, zu viel oder zu anstrengend zu sein.

Solche Wünsche entstehen oft nicht aus Klarheit, sondern aus eigener Überforderung oder Hilflosigkeit. Sie verschieben Verantwortung und erzeugen subtilen Druck, auch wenn sie gut gemeint sind.

3.3 Wunsch oder Manipulation?

Ein Wunsch wird manipulierend, wenn er nicht frei lässt. Wenn er Erwartungen formuliert, Schuldgefühle auslöst oder die Beziehung an Bedingungen knüpft. In solchen Fällen dient der Wunsch weniger dem anderen als der eigenen Beruhigung oder Kontrolle.

4. Wunschkonzert oder Erwartung?

„Ich wünsche mir, dass er/sie endlich …“ Das ist kein Wunsch, sondern eine Erwartung. Erwartungen belasten Beziehungen, überfordern das Gegenüber und schwächen die eigene emotionale Autonomie.

Mini-Ritual: Kraft statt Kontrolle

  1. Atme tief ein.
  2. Denke an die Person.
  3. Sage innerlich: „Ich sende dir Stärke – deinen Weg zu gehen.“
  4. Gib ihren Weg frei.

5. Möglich oder unmöglich?

Ein Wunsch entfaltet nur dann Kraft, wenn er sowohl von innerer Vorstellungskraft als auch von einem realistischen Einflussbereich getragen wird. Fehlt eines von beiden, entsteht Frustration oder Resignation.

Das bedeutet nicht, dass Wünsche klein oder angepasst sein müssen. Es bedeutet lediglich, zwischen dem zu unterscheiden, was wir direkt beeinflussen können, und dem, was außerhalb unserer Verantwortung liegt. Diese Unterscheidung schützt vor innerer Erschöpfung und unrealistischen Erwartungen.

Coaching-Tipp: Frage dich nicht nur, ob ein Wunsch erfüllbar ist, sondern auch, welche Haltung oder Handlung heute bereits in deinem Einflussbereich liegt.

6. Vernünftig oder unvernünftig?

Auf den ersten Blick scheint es nur vernünftig, ausschließlich Wünsche zu formulieren, die möglich und machbar sind. Und tatsächlich liegt darin eine große Kraft: Wünsche, die sich im eigenen Einflussbereich bewegen, erzeugen Handlungsspielraum, Zuversicht und Motivation.

Ein klein wenig darüber hinauszugehen ist dennoch erlaubt - ja, sogar notwendig. Entscheidend ist nicht die objektive Wahrscheinlichkeit, sondern ob die eigene Vorstellungskraft ausreicht, diesen Wunsch innerlich zu tragen. Dort, wo ein nächster Schritt vorstellbar wird, kann Entwicklung beginnen. Kleine Erfolge wirken dabei wie Verstärker: Sie belohnen den Mut, sich zu bewegen, und machen Lust auf den jeweils nächsten Schritt.

Das soll niemanden davon abhalten, groß zu denken. Der Wunsch nach dem Besten, Schönsten oder Stimmigsten ist menschlich und berechtigt. Ein großes Ziel in weiter Ferne kann als Leitstern diene, nicht um Druck zu erzeugen, sondern um Richtung zu geben. Problematisch wird es erst dann, wenn der Wunsch den Boden der Realität vollständig verlässt.

Sich die Zuneigung oder Liebe eines Menschen zu wünschen, der seinerseits keinerlei Interesse zeigt, ist unvernünftig - nicht aus moralischen Gründen, sondern weil dieser Wunsch außerhalb des eigenen Einflussbereichs liegt. Das Unterfangen ist zum Scheitern verurteilt, erst recht dann, wenn die Idee entsteht, mit zweifelhaften Mitteln nachzuhelfen. Wünsche verlieren ihre Kraft, wenn sie Freiheit verletzen, die eigene oder die des anderen.

7. Gerechte Wünsche

Gerechte Wünsche respektieren die Freiheit aller Beteiligten. Sie entstehen aus innerer Klarheit und nicht aus Angst, Mangel oder Kontrollbedürfnis. Solche Wünsche stärken die eigene Selbstverantwortung und lassen dem Gegenüber Raum für den eigenen Weg.

Sie sind Ausdruck von Verbundenheit, nicht von Abhängigkeit. Und sie wirken oft weniger laut, dafür nachhaltiger.

8. Böse Wünsche

Böse Wünsche sind selten offen formuliert. Häufig entstehen sie aus unterdrückter Wut, Ohnmacht oder dem Wunsch nach Ausgleich. Gedanken wie „Das soll er auch mal erleben“ oder „Irgendwann wird sie schon sehen, was sie davon hat“ tragen eine energetische Spannung, die unbewusst weiterwirkt.

Solche inneren Impulse sind menschlich, aber sie binden Energie und belasten das eigene emotionale Feld. Oft wird diese Spannung vom Gegenüber intuitiv wahrgenommen, auch wenn sie nie ausgesprochen wird.

Schutz-Tipp: Sage innerlich: „Ich gebe diese Energie an ihren Ursprung zurück.“

9. Verwünschung & Fluch

Verwünschungen wirken weniger durch äußere „Magie“ als durch psychologischen Druck. Wiederholte negative Gedanken oder Aussagen können das innere Erleben stark beeinflussen, sowohl beim Sender als auch beim Empfänger. Sie verengen den Blick, erzeugen emotionale Schwere und binden Aufmerksamkeit an destruktive Bilder.

Die bewusste Abgrenzung von fremden Erwartungen und Energien ist daher kein esoterischer Akt, sondern ein Akt innerer Selbstfürsorge.

Mini-Ritual: Energie zurückgeben

  1. Stelle dir einen schützenden Raum um dich vor.
  2. Spüre bewusst, was nicht zu dir gehört.
  3. Sage innerlich: „Alles, was nicht mein ist, darf gehen.“
  4. Atme ruhig aus.

„Jeder Wunsch ist ein Hinweis auf einen Teil in uns, der nach Aufmerksamkeit ruft.“

Wenn du tiefer verstehen möchtest, wie Wünsche nicht nur erkannt, sondern Schritt für Schritt verwirklicht werden können, führt der zweite Teil dieser Reihe weiter vom inneren Wunsch zur bewussten Umsetzung.

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Wunscherfüllung Teil II

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